Kapelle des
Charles de Foucauld - Friedenseremit

Diese Internetkapelle ist ein Ausdruck der Dankbarkeit und der Bitte um Fürsprache an den seligen Charles de Foucauld.
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Internetkapelle des hl. Charbel

Seliger Charles de Foucauld, bitte für uns!

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Gebete die vom seligen Charles de Faucould verwendet wurden



Herz Jesu Litanei


Herr, erbarme dich unser.
Christus, erbarme dich unser.
Herr erbarme dich unser.
Christus, höre uns - Christus erhöre uns.
Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser.
Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser.
Gott Heiliger Geist, erbarme dich unser.
Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich unser.
Herz Jesu, des Sohnes des ewigen Vaters, erbarme dich unser.
Herz Jesu, im Schosse der jungfräulichen Mutter vom, erbarme dich unser.
Heiligen Geiste gebildet, erbarme dich unser.
Herz Jesu, mit dem Worte Gottes wesenhaft vereinigt, erbarme dich unser.
Herz Jesu, von unendlicher Majestät, erbarme dich unser.
Herz Jesu, heiliger Tempel Gottes, erbarme dich unser.
Herz Jesu, Wohnung des Allerhöchsten, erbarme dich unser.
Herz Jesu, Haus Gottes und Pforte des Himmels, erbarme dich unser.
Herz Jesu, Feuerherd der Liebe, erbarme dich unser.
Herz Jesu, Wohnstatt der Gerechtigkeit und Liebe, erbarme dich unser.
Herz Jesu, voll Güte und Liebe, erbarme dich unser.
Herz Jesu, Abgrund aller Tugenden, erbarme dich unser.
Herz Jesu, alles Lobes würdig, erbarme dich unser.
Herz Jesu, König und Mittelpunkt aller Herzen, erbarme dich unser.
Herz Jesu, das alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis in sich birgt, erbarme dich unser.
Herz Jesu, in dem die ganze Fülle der Gottheit wohnt, erbarme dich unser.
Herz Jesu, an dem der Vater sein Wohlgefallen hat, erbarme dich unser.
Herz Jesu, aus dessen Fülle wir alle empfangen haben, erbarme dich unser.
Herz Jesu, Sehnsucht der ganzen Schöpfung, erbarme dich unser.
Herz Jesu, geduldig und von großer Erbarmung, erbarme dich unser.
Herz Jesu, reicht für alle, die dich anrufen, erbarme dich unser.
Herz Jesu, Quelle des Lebens und der Heiligkeit, erbarme dich unser.
Herz Jesu, Sühne für unsere Sünden, erbarme dich unser.
Herz Jesu, mit Schmach gesättigt, erbarme dich unser.
Herz Jesu, zerschlagen wegen unserer Missetaten, erbarme dich unser.
Herz Jesu, gehorsam geworden bis zum Tode, erbarme dich unser.
Herz Jesu, mit der Lanze durchbohrt, erbarme dich unser.
Herz Jesu, Quelle allen Trostes, erbarme dich unser.
Herz Jesu, unser Leben und unsere Auferstehung, erbarme dich unser.
Herz Jesu, unser Friede und unsere Versöhnung, erbarme dich unser.
Herz Jesu, Opferlamm für die Sünder, erbarme dich unser.
Herz Jesu, Rettung aller, die auf dich vertrauen, erbarme dich unser.
Herz Jesu, Hoffnung aller, die in dir sterben, erbarme dich unser.
Herz Jesu, Wonne aller Heiligen, erbarme dich unser.
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt - verschone uns, o Herr.
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt - erhörte uns, o Herr.
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt - erbarme dich unser.
Jesus, sanft und demütig von Herzen - bilde unser Herz nach deinem Herzen.
...
Lasset uns beten:

Allmächtiger, ewiger Gott, schau hin auf das Herz deines geliebten Sohnes und auf das Lob und die Sühne, die es dir für die Sünder darbringt. Verzeihe allen, die deine Barmherzigkeit anflehen, im Namen deines Sohnes Jesus Christus, der mit dir lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.



Gebet der Hingabe
nach Bruder Charles de Jésus


Mein Vater,
ich überlasse mich Dir ganz und gar,
tue mit mir, was Dir gefällt.
Was immer Du mit mir tust, ich danke Dir.
Ich bin zu allem bereit, ich nehme alles hin,
wenn ur Dein Wille sich in mir erfülle
und in allen Deinen Geschöpfen …
Ich wünsche nichts anderes, mein Gott.
Ich lege meine Sele in Deine Hände,
ich schenke sie Dir, mein Gott,
mit der ganzen Liebe meines Herzens,
weil ich Dich liebe
und es mich ausLiebe danch verlang, mich zu geben,
mich in Deine Hände zu geben,
ohne Maßen, mit unendlichem Vertrauen, denn du bist mein Vater.
(Bruder Charles de Jésus)

Herz-Jesu-Gebet


Heiligstes Herz Jesu, Quelle alles Guten, ich bete Dich an, ich glaube an Dich, ich hoffe auf Dich, ich liebe Dich, ich bereue alle meine Sünden. Dir schenke ich dieses mein armes Herz, mache es demütig, geduldig, rein und in allem Deinen Wünschen entsprechend. Gib, o guter Jesu, dass ich in Dir und Du in mir lebst. Beschütze mich in Gefahren, tröste mich in der Trübsal und in allen Bedrängnissen. Gewähre mir die Gesundheit des Leibes, Deinen Segen für alle meine Werke und die Gnade eines heiligen Todes.

Amen.

Charles de Foucauld – Asketischer Wüstenvater und Friedensmärtyrer

Eine kurze Biographie

Sel. Fr. Charles de Jésus

Sel. Fr. Charles de Jésus, Wikimedia Commons

Charles de Foucauld (auch bekannt unter dem Namen Bruder Karl von Jesus) wird am 15. September 1858 als Sohn des Grafen de Foucauld in Straßburg geboren. Zwei Tage nach seiner Geburt empfängt er das Sakrament der Taufe. Die Familie Foucauld zählt zu den reichsten Familien Frankreichs. Die Familienvilla steht an der Stelle der heutigen Nationalbankfiliale.

Vor allem seiner Mutter sind die christliche Erziehung und die Hinführung zum Glauben wichtig. Sie ist es auch, die dem kleinen Charles lernt, Jesus zu lieben. Sie lässt ihn morgens und abends folgendes Gebet beten:

„Mein Gott, segne Papa und Mama, segne Großpapa und Großmama, segne Großmama Foucauld und die kleine Schwester.“

1863 kommt es zu Zerwürfnissen in der Ehe und zur Trennung des Ehepaares Foucauld. Ein Jahr später stirbt der Vater von Charles an Tuberkulose. Seine Mutter stirbt noch im selben Jahr 1864 im Wochenbett. Charles ist zu diesem Zeitpunkt sechs Jahre alt.

Er wächst fortan zusammen mit seiner Schwester Marie (*1864) bei seinen Großeltern mütterlicherseits auf.
Er wird sich später an die Liebe, die er vonseiten seines Großvaters erfährt, mit folgenden Zeilen erinnern:

„Ich habe die Zärtlichkeit meines Großvaters immer bewundert. Er wusste meine Kindheit und Jugend mit großer Liebe zu umfangen.“

Am 18. April 1972 empfängt Charles seine Erstkommunion sowie die Firmung.

Charles hat eine von Gott gesegnete Intelligenz. Er liest gerne und wird aufgrund seines Scharfsinns schon bald das Jesuitengymnasium in Paris besuchen. Doch das Studieren und Lesen schadet ihm mehr, als ihm lieb ist. „Jede Art von Lektüre gab mir das Gefühl des Studiums, aber in Wirklichkeit hat es mir geschadet.“ Er entfernt sich immer mehr von seinen christlichen Wurzeln. „Mit 17 Jahren war ich durch und durch egoistisch und gottlos, ich begehrte das Böse.“

Je mehr sich Charles vom Glauben distanziert, umso unangenehmer fällt er seinen Lehrern und Erziehern auf. 1875 wird er wegen schlechten, unangemessenen Benehmens und Arbeitsscheu vom Jesuitengymnasium relegiert. Sein Abitur legt er schließlich an einer staatlichen Schule ab.


Ein Weltbild ohne Gott und christlichen Glauben



Die darauffolgenden Jahre wird Charles mit einem ausgeprägt weltlichen Lebensstil verbringen: Mit 18 Jahren ist er etwa 1,67 Meter groß, korpulent und etwas schwerfällig. Er hat eine Vorliebe für gutes Essen und auserlesene Weine. Auch sein Äußeres wird ihm immer wichtiger. Er wählt eine militärische Laufbahn und besucht gesellschaftliche Veranstaltungen mit allerlei Vergnügungen.

Er wird zum Lebemann und sagt über sich selbst: „Ich schlafe lange. Ich esse viel. Ich denke wenig.“ Sein ausschweifender Lebensstil und eine Befehlsverweigerung gegenüber einem seiner Vorgesetzten lassen ihn schließlich vor dem Aus seiner Offizierskarriere stehen. Er wird entlassen. Weil sein Regiment aber schon kurz danach nach Tunesien verlegt wird, bittet er um Wiederaufnahme: „Ein so seltenes Vergnügen wie diese Art von Unternehmung darf man sich nicht entgehen lassen. Ich habe um Wiederaufnahme in mein Regiment gebeten.“ Sein Plan geht auf. Es gelingt ihm, seine dienstliche Reaktivierung durchzusetzen.
Im Gegensatz zu seinem bisherigen Verhalten erweist er sich jetzt erstmals als tapferer Soldat. Er erwirbt sich Achtung. 1882 ist der Einsatz des Trupps beendet. Charles de Foucauld reicht seinen Abschied bei der Armee ein und tritt eine Forschungsreise an. Er will die Welt bereisen und die alte und neue Geschichte der Länder kennenlernen. Er will die Geographie und Archäologie erforschen. Marokko hat es ihm ganz besonders angetan. Nach 15 Monaten Vorbereitungszeit bricht er auf. Es entsteht sein Werk „Forschungsreise durch Marokko“, das ihn berühmt macht.

1885 wird ihm von der Französischen Geographischen Gesellschaft die Goldmedaille verliehen. Charles de Foucauld arbeitet fortan als angesehener Forscher in Algier und Paris in Bibliotheken.


„Mein Gott, wenn es dich gibt, dann lass mich dich erkennen.“



Schon während seiner Forschungsreisen stellt sich Charles immer wieder die Frage nach Gott. Der Kontakt zu gläubigen Muslimen spornt ihn bei der Gottessuche an. Charles ist davon beeindruckt, dass die Männer fünf Mal am Tag ihre irdischen Sorgen beim Gebet hinter sich lassen. Es lässt ihn an seine Cousine erinnern: Als tiefgläubige Katholikin betet auch Marie viele Stunden. Sie findet Kraft und Zuversicht im Glauben. Charles wird nachdenklich. Er beschäftigt sich mit dem Islam, aber auch mit dem Judentum. Das Christentum soll schon bald folgen. 1886 verlässt Charles Algerien und zieht nach Paris in die Nähe seiner Familie. Er erinnert sich: „Anfang Oktober 1886, nach 6 Monaten im Kreis meiner Familie, wurde ich von einer sehr starken inneren Gnade angetrieben, und ich ging in eine Kirche.“

Viele Stunden wird Charles fortan in der Pariser Kirche im Gebet verbringen. Immer und immer wieder rezitiert er das Gebet: „Mein Gott, wenn es dich gibt, lass mich dich erkennen.“

Am 30. Oktober 1886 wird Charles von der göttlichen Gnade derart berührt, dass er den französischen Priester Abbé Henri Huvelin bittet, ihn religiös zu unterweisen. Abbé Huvelin lässt seinen Schützling niederknien und nimmt ihm die Beichte ab – eine Lebensbeichte. Anschließend reicht er ihm die Kommunion. Abbé Huvelin wird der geistige Vater von Charles de Foucauld.
Charles besucht vom ersten Tag seiner Umkehr an jeden Tag die Heilige Messe. Sein geistiger Vater lehrt ihn den Gehorsam selbst in den kleinsten Dingen. Schon bald verspürt Charles den Ruf, in einen Orden einzutreten. Er fühlt sich zu den Trappisten hingezogen. Die bescheidene, asketische Lebensweise, das Schweigen, Beten und Arbeiten der Mönche in den weißen Kutten, all das spricht ihn an. Ob der Trappistenorden aber sein brennendes Verlangen stillen kann, Christus auf dem niedrigsten Platz nachzufolgen?

Das Assekrem-Plateau, wo sich die Einsiedelei de Foucaulds befand

Das Assekrem-Plateau, wo sich die Einsiedelei de Foucaulds befand, Wikimedia Commons



„Weshalb ich in den Trappistenorden eingetreten bin? Aus Liebe, aus reiner Liebe.“



Abbé Huvelin schickt Charles auf eine Pilgerreise nach Jerusalem. Dort soll er Gott um Erleuchtung bitten. So feiert Charles 1888 in Bethlehem das Weihnachtsfest und kommt seinem Herrn und Gott sehr nahe. Er bekommt eine Ahnung davon, wie Jesus gelebt hat.

L'Abbaye Notre-Dame-des-Neiges à Saint-Laurent-les-Bains (Ardèche).

L'Abbaye Notre-Dame-des-Neiges à Saint-Laurent-les-Bains (Ardèche), Wikimedia Commons

Am 16. Januar 1890 ist es so weit: Charles tritt in den Orden der Trappisten ein. Zur Einkleidung bekommt er den Ordensnamen Marie-Albéric. Marie nach der Jungfrau von Nazareth und Albéric nach einem der heiligen Gründer des Zisterzienserordens. Vom ersten Augenblick seines Mönchsdaseins steht seine Berufung unter dem Leitwort, das er seinem Freund Duveyrier beim Fortgehen hinterlässt: „Weshalb ich in den Trappistenorden eingetreten bin? Aus Liebe, aus reiner Liebe.“

In Notre-Dame des Neiges hat Charles noch nicht einmal eine Zelle, in die er sich zurückziehen könnte. Die Trappisten verbringen die Nacht in Schlafsälen. Doch für Bruder Albéric ist diese enge Welt weit wie die Wüste. Er sieht darin die einladende Gelegenheit, wie Christus zu fasten, zu wachen und zu beten. Sein Leben gründet sich fortan auf den Satz des Vaterunsers: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden.“ Dieser Satz wird für Charles zum heiligen Feuer. Nur noch den Willen Gottes tun. Genau das ist sein größter Wunsch.

Im Januar 1889 bekommt Charles das Verfügungsrecht über sein Vermögen zurück. Es war ihm im Juni 1882 von seiner Verwandtschaft aufgrund seines fragwürdigen Lebenswandels entzogen worden. Doch Charles hat kein Interesse mehr an weltlichen Gütern oder dem Mammon. Er vermacht sein ganzes Vermögen kurzerhand seiner Schwester Marie und bereitet sich auf den Ordenseintritt vor.


Aufbruch nach Syrien – Ora et labora



Nach nur sechs Monaten in Notre-Dame des Neiges bricht Bruder Albéric nach Syrien auf. Wir schreiben das Jahr 1890. Er wird dem Herrn für eine Zeit in der Abtei Notre-Dame du Sacré-Cœur in Midan Akbes im Bezirk Afrin dienen. Wie in Notre-Dame des Neiges leben die Trappisten auch hier sehr bescheiden. Im Sommer schlafen die Mönche über den Ställen der Nutztiere. Im Winter nächtigen sie über dem Refektorium unter einem Blechdach, auf dem sich Schneemassen türmen.

Die Hauptaufgabe der Trappisten hier ist die Feldarbeit. Bruder Albéric schreibt seiner Schwester: „Wir leisten Bauernarbeit, eine für die Seele unendlich heilsame Arbeit, bei der man beten und meditieren kann … Man begreift so gut, was ein Stück Brot wert ist, wenn man aus eigener Erfahrung weiß, wie viel Mühe es kostet, um es herzustellen. Man hat so viel Mitempfinden für alle Arbeitenden, wenn man selbst solche Arbeit tut!“ Ora et labora – Beten und Arbeiten, das ist das Leben der Trappisten hier. Diese Art von Askese sagt Charles sehr zu.

Schon bald spürt er das Verlangen, auch seinen letzten Besitz, das Inventar seiner Wohnung in der Rue de Miromesnil, zu verschenken. Er will nichts besitzen und gänzlich arm vor Gott sein. So vermacht er auch noch seinen letztes Hab und Gut seiner Schwester Marie.
Auch seinen Rang als Reserveoffizier gibt er ab. Im Februar 1892 legt Bruder Albéric seine Gelübde ab. Er gelobt fortan stets arm, keusch und im Gehorsam zu leben. Charles schreibt: „Je mehr man dem lieben Gott gibt, desto mehr gibt Er wieder. Ich glaubte, alles herzugeben … Ich habe mehr empfangen, als ich gab.“

Bruder Albéric weiß die bescheidene Lebensweise der Trappisten zu schätzen. Doch er träumt davon, noch ärmer und noch asketischer zu leben. Er überlegt, eine Ordensgemeinschaft zu gründen, die als Ärmste unter den Armen auf alle Annehmlichkeiten verzichtet – selbst auf die schönen Gottesdienste. Er will die Heilige Messe bescheiden und ohne all den Glanz der großen Klöster feiern. Charles unterrichtet seinen geistigen Vater Abbé Huvelin von seinen Überlegungen. Dieser fürchtet den Übereifer eines Neubekehrten und weist Charles in einem Brief zurecht: „… Üben Sie die Tugenden des vollkommenen Gehorsams gegenüber der Ordensregel und Ihren Oberen … später wird man weitersehen. Übrigens sind Sie nicht – ganz und gar nicht – dazu geschaffen, andere zu führen.“ Bruder Albéric nimmt diese Antwort demütig an.


Visionen von der Gemeinschaft der Kleinen Brüder Jesu



Er bleibt bei den Trappisten, arbeitet aber detaillierte Regeln für die „Gemeinschaft der Kleinen Brüder Jesu“ aus, wie er seine Bewegung nennen möchte. Die „Kleinen Brüder“ sollen in seiner Vorstellung bei den Ärmsten der Armen in den Vororten leben. Er schreibt: Als Unterkunft sollen uns ärmliche Häuser dienen, die aber einen kleinen Garten haben sollen, um Obst und Gemüse anbauen zu können. Die Klausur soll streng sein. Frauen dürfen sie nicht betreten. Innerhalb der Hausgemeinschaft gilt das Schweigen. Es soll nur das Allernötigste gesprochen werden.

Das immerwährende Gebet soll das Haus erfüllen. Als „Kleine Brüder“ wollen wir uns wie die Ärmsten im Lande kleiden und uns mit den einfachsten Arbeiten begnügen, sodass selbst die Unwissendsten und Schwächsten sie verrichten können. Unser Geist soll so frei bleiben für das Gebet und die Meditation. Wir wollen unsere Arbeit zum geringsten Lohn erbringen und möchten keinen Gewinn dabei erzielen.

Selbst unser Gebet soll arm sein. Kein Hochamt soll es geben. Es würde jene ausschließen, die kein Latein verstehen. Die Heilige Messe, die Anbetung, der Angelus, der Rosenkranz und der Kreuzweg hingegen sollen gefördert werden – alles, was der Einfachste unter den Brüdern mitmachen kann.

Auch, was die Nahrung betrifft, wählt Bruder Albéric eine asketische Lebensweise. Die „Kleinen Brüder“ sollen unter der Woche einen mit Salz und Wasser gekochten Getreidebrei und etwas Brot essen. Am Sonntag empfiehlt Charles etwas Milch, Honig, Butter und Obst, um den Tag des Herrn zu feiern. Einzig die Kranken, sie sollen mit allen möglichen Annehmlichkeiten verwöhnt werden, um wieder zu Kräften zu kommen.Als Abbé Huvelin die Abschrift der Regeln und Empfehlungen liest, ist dieser entrüstet. Er schreibt seinem Schützling Bruder Albéric: „Ihre Regel ist vollkommen undurchführbar. Der Papst hatte schon gezögert, der franziskanischen Regel seine Zustimmung zu erteilen; er fand sie zu streng; und nun diese Regel! Sie hat mich, ehrlich gesagt, erschreckt! Leben Sie in der Nähe einer Klostergemeinschaft in der von Ihnen ersehnten Entsagung, aber stellen Sie keine Regel auf, ich flehe Sie an!“
Charles größter Wunsch ist es aber, in dieser strengen Askese leben zu dürfen. Er bittet deshalb seine Oberen, die Trappisten verlassen zu dürfen. Diese genehmigen seinen Wunsch unter der Bedingung, dass Bruder Albéric sich erst noch ins Trappistenkloster von Staoueli begeben solle. Dort würde er weitere Anweisungen erhalten. Es ist September 1896, als er in Algerien im Kloster Staoueli in der Provinz Algier ankommt. Wie die Trappisten von Notre-dame des Neiges und von Notre-Dame du Sacré-Cœur sind auch die Brüder hier voller Bewunderung, was Charles de Foucauld betrifft. Ein Bruder berichtet: „In der Kirche waren seine Augen ständig auf das Allerheiligste gerichtet. Er glaubte nicht nur, er sah.“ Kurz vor Charles ewigen Gelübde bei den Trappisten beschließt der Generalobere, Bruder Albéric freizugeben. Es stehe ihm frei, den Orden zu verlassen und außerhalb des Klosters zu leben. Er solle aber Abbé Huvelin als Seelenführer behalten. Charles wartet also auf Anweisungen vonseiten seines geistigen Vaters. Dieser erlaubt ihm, in strenger Askese vor den Toren eines Klosters leben zu dürfen. Ordensregeln solle er aber vorerst nicht mehr aufstellen und auch keine Anwärter um sich versammeln. Diese Anweisung wiederholt Abbé Huvelin nachdrücklich.

Die 1911 auf dem Assekrem-Plateau im Süden Algeriens von Charles de Foucauld erbaute Einsiedelei

Die 1911 auf dem Assekrem-Plateau im Süden Algeriens von Charles de Foucauld erbaute Einsiedelei, Wikimedia Commons



Charles de Foucauld – zum Priester berufen



Im Februar verlässt Charles de Foucauld Rom und kehrt nach Asien zurück. Er folgt seiner Berufung und lebt fortan als Eremit und Klosterknecht bei den Armen Klarissen in Nazaret und Jerusalem. Er ist glücklich und schreibt seiner Schwester: „Ich habe genau das gefunden, was ich mir jahrelang erträumt habe.“ Wie schon zuvor die Mönche bewundern auch die Schwestern das asketische Leben von Bruder Albéric. Er lebt, arbeitet und atmet für Gott. Nicht mehr er will leben, Jesus soll in ihm leben. Das ist sein größter Wunsch.

Charles de Foucauld, Église Notre-Dame-du-Calvaire de Châtillon

Charles de Foucauld, Église Notre-Dame-du-Calvaire de Châtillon, Wikimedia Commons

Mutter Elisabeth und Abbé Huvelin bitten Charles unterdessen weiter, er möge sich auf das Priesteramt vorbereiten. Aus Gehorsam willigt Charles ein. Vor allem auch deshalb, weil er erkennt, dass er als geweihter Priester viel besser einen Orden würde führen können: „Meine Regel ist so sehr an die Feier der Eucharistie gebunden, dass es unmöglich ist, sie mit mehreren zu befolgen, ohne dass es einen Priester und einen Tabernakel unter ihnen gibt. Nur wenn ich Priester wäre und es eine Kapelle gäbe, in der man sich versammeln kann, werde ich Mitbrüder haben können.“

Charles bittet die Trappisten von Notre-Dame des Neiges um ihren Beistand, teilt ihnen aber auch mit, dass er nicht zurück in den Orden wolle. Die Trappisten willigen ein, Charles so lange bei sich aufzunehmen, bis dieser die Weihe vom Bischof erhalten könne. So lange könne er sich bei ihnen auf die Weihe vorbereiten und studieren.

Am 09. Juni 1901 wird er in Viviers von Exzellenz Montéty in Gegenwart von Exzellenz Bonnet zum Priester geweiht. Als frisch geweihter Priester der Diözese von Viviers steht es ihm frei, sich auch außerhalb der Diözese niederzulassen. Sein Ziel ist auch jetzt immer noch das gleiche wie zu Beginn seines neuen Lebens mit und für Gott: Charles möchte das Leben von Nazareth in einem Missionsland leben. Er wird sich später mit folgenden Worten an diese Zeit erinnern: „Sogleich fühlte ich mich gerufen, zu den 'verlorenen Schafen' zu gehen, zu den Verlassensten, um sie zu lieben, wie Jesus es geboten hat: 'Liebt einander, wie ich euch geliebt habe. Daran wird man erkennen, dass ihr meine Jünger seid'.“

Die Oberin des Klarissenklosters, Mutter Elisabeth, erkennt schnell: Bruder Albéric ist zum Priester berufen. Doch Charles hält sich für nicht würdig. Auch Abbé Huvelin sieht diese Berufung. Es wird jedoch noch einige Zeit dauern, bis Charles sich mit dem Gedanken anfreunden kann, dass in seiner Seele wirklich eine Priesterberufung schlummert. Er selbst träumt noch immer von einer Ordensgründung.

1899 arbeitet er deshalb neue Regeln aus. Das Ideal ist dasselbe geblieben: Charles möchte mit Ordensbrüdern das Leben Jesu leben und den Menschen die Liebe Gottes bringen. Jetzt aber, wo er in Anschluss an ein Kloster lebt, weiß er die materiellen und geistigen Zuwendungen der Klostergemeinschaft durchaus zu schätzen. So will er nun nicht mehr kleine Häuser für seine Ordensgemeinschaft, sondern ein großes Kloster, das bis zu 40 Mönche aufnehmen könne. Ihn bewegt dabei hauptsächlich ein Wunsch: Er will die immerwährende Anbetung gewährleisten.


Freund aller Menschen – „Alles was ihr einem dieser Kleinen tut, das tut ihr mir.“



Charles macht sich also auf, um nach Béni Abbès zu gehen: „Mir ist kein verlasseneres Volk bekannt, als die Muslime in Marokko und in der Sahara.“

Ende Oktober 1901 kommt er dort an. Charles verspürt den starken Wunsch, die Freundschaft und das Vertrauen der Menschen dort zu gewinnen. „Ich möchte alle Bewohner – Christen, Muslime, Juden – daran gewöhnen, in mir ihren Bruder zu sehen, den Bruder aller Menschen.“ Er kleidet sich deshalb nach der Art der Eingeborenen.

Er will an dem Elend und der Armut teilnehmen und sie mit ihnen teilen. So trägt er also eine weiße Gandourah, auf der ein großes, rotes Kreuz und ein Herz zu sehen sind. Charles ist ein großer Verehrer des Heiligsten Herzen Jesu. Dieser Verehrung will er mit seiner Tracht Ausdruck verleihen. An einem Ledergürtel, den er um seine Hüften trägt, hängt ein großer Rosenkranz.

Tag für Tag verbringt Bruder Albéric viele Stunden vor dem Allerheiligsten. Es sagt: „Die Eucharistie – es ist Jesus, der ganze Jesus. Man schaut ihn an, man ist zufrieden, zu seinen Füßen zu sitzen. Man möchte unentwegt mit dem Geliebten reden.“ Bruder Karl, wie er auch genannt wird, nimmt sich das Bibelwort zu Herzen: „Alles was ihr einem dieser Kleinen tut, das tut ihr mir.“

Unentwegt und treu ergeben begegnet er den Menschen in seiner Umgebung mit der Liebe, die er selbst vom Herrn in der Anbetung empfängt. Er spricht mit Kranken, Soldaten, Reisenden und Neugierigen. Als er auf die Sklaverei aufmerksam wird, ist er schockiert und will gegen diesen Missstand vorgehen.
Charles de Foucauld, Viviers (Ardèche)

Charles de Foucauld, Viviers (Ardèche), Wikimedia Commons



Der Gehorsam ist das Maß der Liebe – Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden!



Interior of the Cathedral Saint-Vincent-de-Paul of Tunis

Interior of the Cathedral Saint-Vincent-de-Paul of Tunis, Charles de Foucauld, Wikimedia Commons

„Dein Wille geschehe, nicht der meine!“ Bruder Karl betet dieses Stoßgebet immer und immer wieder. Der Gehorsam und das Kleinwerden vor Gott bis zur gänzlichen Entäußerung sind zu seinem Wesen geworden. Er schreibt: „Der Gehorsam ist das Maß der Liebe: Seid vollkommen im Gehorsam, um vollkommen in der Liebe zu sein.“

Er will sich ganz dem Willen Gottes ergeben. Ja, mehr noch. Er will eins werden mit ihm. Er versteht: Die Verwandlung des Menschen geschieht nicht etwa durch gute Werke oder durch Askese. Es ist das Einswerden des menschlichen Willens mit dem Willen Gottes, das den Unterschied macht. Bruder Karl will ganz und gar im göttlichen Willen leben.

Noch immer hofft er auf Mitbrüder für seinen Orden. So gerne würde er eine Gemeinschaft des Gebetes und der Gastfreundschaft gründen und mit seinen Mitbrüdern als kleine Familie so liebend leben, dass alle Nachbarn beginnen, Jesus zu lieben. Doch die Mitbrüder bleiben aus. Charles ergibt sich dem Willen Gottes und zieht 1904 weiter in den Süden zu den Tuareg. Ihnen will er Glaube, Hoffnung und Liebe bringen.


Apostolat der Güte auch unter schwierigen Umständen



Und so begegnet Bruder Karl den muslimischen Nomaden, den Tuareg, mit der gleichen Liebe, wie er sie den Menschen in Béni Abbès schon gezeigt hat. Er versorgt Bedürftige medizinisch, kauft Sklaven frei und teilt mit ihnen das Essen. Die Tuareg beginnen ihm zu vertrauen und nennen ihn „Marabou“ (heiligen Mann).

Charles beschäftigt sich eingehend mit der Kultur der Einheimischen, studiert deren Musik und verfasst ein Wörterbuch, das noch heute gültig ist. Zudem wird er als Übersetzer tätig: „Ich habe soeben die Übersetzung der Evangelien abgeschlossen. Für mich ist es ein großer Trost, dass ihr erstes Buch das Evangelium sein wird.“

Als Christ unter den Muslimen lebt er viele Jahre mit den Einheimischen in Frieden: „Die Tuareg in meiner Nachbarschaft geben mir sehr großen Trost; ich habe unter ihnen exzellente Freunde.“ Als der Erste Weltkrieg 1914 ausbricht, machen die Unruhen auch vor der Sahara nicht Halt. Charles versucht, zwischen den französischen Soldaten und den Tuareg diplomatisch zu vermitteln. Auch inmitten des kriegerischen Geschehens bleibt er fest in der Liebe verwurzelt. Als ihm angeboten wird, nach Frankreich zurückkehren zu können, lehnt er ab.

Am 01. Dezember 1916 verliert Charles de Foucauld sein Leben. Er wird während eines Überfalles von aufständigen Senussi erschossen und stirbt als Märtyrer des Friedens.
Grabstätte von de Foucauld bei El Golea

Grabstätte von de Foucauld bei El Golea, Wikimedia Commons






Bruder Karls spirituelles Erbe – die „Kleinen Brüder und Kleinen Schwestern Jesu“

1933 gründet René Voillaume auf der Grundlage der Ideen von Charles in der Sahara die Gemeinschaft der „Kleinen Brüder Jesu“. 1939 folgen die „Kleinen Schwestern“ durch Magdeleine Hutin. Beide Gemeinschaften berufen sich auf Bruder Karls spirituelles Erbe. Die Mitglieder leben und beten in einer Gemeinschaft zusammen, gehen aber einem weltlichen Beruf nach. Bis heute berufen sich rund 20 Laien- und Priestergemeinschaften auf das geistige Erbe von Charles de Foucauld.

Bruder Karls Kanonisation

Charles de Foucauld wurde am 13. November 2005 zusammen mit den Ordensschwestern Maria Pia Mastena und Maria Crocifissa Curcio in Rom seliggesprochen. Sein Gedenktag in der Liturgie ist der 01. Dezember. Obwohl Charles de Foucauld mehrere Ordensregeln verfasst hatte.


Textquellen:

Charles de Foucauld – Forscher und Beter von Carrouges Michel; Herder Verlag 1958; 4. Auflage; Gebunden 371 Seiten

Geistliche Familie Charles de Foucauld; Biographie von Charles de Foucauld; http://www.charlesdefoucauld.org

Deutschlandfunk: Charles de Foucauld; Ich bin nicht hier, um zu bekehren, sondern um zu verstehen; http://www.deutschlandfunk.de/charles-de-foucauld-ich-bin-nicht-hier-um-zu-bekehren.2540.de.html?dram:article_id=372558

Wikipedia: Charles de Foucuald; https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_de_Foucauld

Ökumenisches Heiligenlexikon: Charles de Foucauld; https://www.heiligenlexikon.de/BiographienC/Charles_de_Foucauld.htm

Videobeiträge

Dokumentation mit Fotos und Informationen aus dem Leben des hl. Charles de Foucauld in italienischer Sprache - Youtube
Dokumentarfilm der kleinen Schwestern von Jesus in englischer Sprache - Youtube